Eine Lichtberechnung klingt nach Formelchaos, ist aber ein klarer Ablauf vom leeren Raum bis zur fertigen Planung. Wer die Reihenfolge kennt, kann Beleuchtung berechnen, ohne sich in Tabellen zu verlieren. Dieser Beitrag führt dich Schritt für Schritt durch die Lichtplanung – als Übersicht und Einstieg ins Praxis-Cluster.
Das Ziel: Du weißt am Ende, wie viele Leuchten in welchem Abstand nötig sind, damit eine Fläche die geforderte Helligkeit erreicht – und das auch nach Jahren noch.
Vom Raum zur Lichtberechnung
Jede Lichtberechnung folgt demselben roten Faden. Du nimmst den Raum auf, legst fest, wie hell es sein soll, wählst Leuchten und rechnest aus, ob das Ergebnis passt.
In der Praxis hat sich dieser Ablauf bewährt:
- Raum erfassen (Geometrie, Reflexionsgrade, Nutzebene)
- Anforderung bestimmen (Sehaufgabe, Soll-Beleuchtungsstärke)
- Leuchten und Leuchtendaten wählen
- Berechnen (Wirkungsgrad- oder Punktverfahren)
- Ergebnisse prüfen und dokumentieren
Die Grundlage für die Soll-Werte liefert die Lichtplanung nach DIN EN 12464-1. Diese Norm beschreibt die Hauptmerkmale des Lichtklimas wie Leuchtdichteverteilung, Beleuchtungsstärke, Blendung, Lichtrichtung, Lichtfarbe und Farbwiedergabe, Flimmern und Tageslicht.
Schritt 1: Raum erfassen
Zuerst brauchst du die Geometrie: Länge, Breite und die relevante Höhe. Die ersten Zutaten bei der Beleuchtungsberechnung sind der Raumindex (k-Faktor) und die Reflexionsgrade der Oberflächen; der Raumindex hängt von Höhe, Breite und Länge des Raumes, der Anordnung der Beleuchtung und der Arbeitshöhe ab.
Wichtig sind außerdem die Reflexionsgrade von Decke, Wand und Boden. Eine gängige Standardkombination liegt bei 0,2 für den Boden, 0,5 für die Wände und 0,5 für die Decke. Helle Oberflächen werfen mehr Licht zurück und verbessern das Ergebnis spürbar.
Die Nutzebene ist die Höhe, auf der die Sehaufgabe stattfindet – am Schreibtisch typisch rund 0,75 m über dem Boden. Genau dort wird später die Beleuchtungsstärke ausgewertet, nicht am Fußboden.
- Raummaße aufnehmen
- Reflexionsgrade Decke/Wand/Boden festlegen
- Nutzebene definieren
Schritt 2: Anforderung bestimmen
Jetzt klärst du, wie hell der Raum sein muss. Das hängt von der Sehaufgabe ab – Lesen, Montieren oder grobe Lagerarbeit stellen völlig unterschiedliche Anforderungen.
Aus der Norm liest du drei Kennwerte ab: Raumtyp und Tätigkeit identifizieren und daraus Lux-Wert, UGR-Grenze und CRI aus der Norm ablesen. Für klassische Bildschirmarbeit sind das in der Praxis meist 500 lx, UGR ≤ 19 und Ra ≥ 80.
Die genauen Richtwerte je Raumtyp findest du im Beitrag Beleuchtungsstärke je Raumtyp. Was die Einheiten bedeuten, klärt Lux, Lumen, Candela, und die Farbwiedergabe vertieft Farbwiedergabe CRI/Ra.
Schritt 3: Leuchten und Daten wählen

Erst jetzt fällt die Entscheidung für eine konkrete Leuchte. Du brauchst dafür belastbare Leuchtendaten vom Hersteller.
Relevant sind vor allem: Lichtstrom, Lichtverteilung, UGR-Tabellenwert und CRI prüfen. Dazu kommt der Leuchtenwirkungsgrad. Der Leuchtenwirkungsgrad von Standard-Leuchten liegt bei ca. 0,6, der von Hochleistungsleuchten bei ca. 0,8 bis 0,85.
| Kennwert | Wozu |
|---|---|
| Lichtstrom (lm) | Gesamtmenge Licht |
| Lichtverteilung (LVK) | Abstrahlcharakteristik |
| Leuchtenwirkungsgrad | Anteil nutzbares Licht |
| UGR-Tabellenwert | Blendungsbewertung |
Wie effizient eine Leuchte aus Watt Licht macht, behandelt Lichtausbeute / LED-Effizienz. Themen wie Lichtfarbe in Kelvin und Tunable White und HCL spielen bei der Auswahl ebenfalls hinein.
Schritt 4: Das Prinzip der Berechnung
Für die eigentliche Lichtberechnung gibt es zwei Grundansätze – das Wirkungsgradverfahren und die Punktberechnung. Das Wirkungsgradverfahren wurde von der LiTG für die überschlägige Dimensionierung von Beleuchtungsanlagen in Innenräumen entwickelt.
Wirkungsgradverfahren
Das ist der schnelle Weg zur Stückzahl. Mit diesem Verfahren lässt sich die Anzahl der Leuchten ermitteln, die für eine vorgegebene mittlere Beleuchtungsstärke benötigt werden. Grob gilt:
Leuchtenzahl = (Soll-Lux × Fläche) / (Lichtstrom × Beleuchtungswirkungsgrad × Wartungsfaktor)
Der Beleuchtungswirkungsgrad setzt sich zusammen aus Leuchten- und Raumwirkungsgrad. Der Beleuchtungswirkungsgrad ergibt sich aus dem Produkt von Raumwirkungsgrad und Leuchtenwirkungsgrad. Den Raumwirkungsgrad liest du aus Tabellen ab – er ist abhängig von der Lichtstärkeverteilung der Leuchte, den Reflexionsgraden der Raumbegrenzungsflächen und den Raumabmessungen.
Wichtig: Das Verfahren ist eine Näherung mit klaren Annahmen. Der Raum wird als vollkommen leer betrachtet, und die Raumbegrenzungsflächen reflektieren vollkommen diffus mit für jede Fläche konstantem Reflexionsgrad.
Punktberechnung
Die Punktmethode liefert mehr Detail über die Verteilung. Nach dem ersten Schritt muss noch eine Berechnung nach der Punktmethode erfolgen; das Ergebnis ist eine Beleuchtungsstärkeverteilung, die Aufschluss über die Gleichmäßigkeit gibt.
Den Schwund durch Alterung und Verschmutzung deckt der separate Faktor ab – mehr dazu im Beitrag Wartungsfaktor (CIE 97).
Schritt 5: Ergebnisse prüfen und dokumentieren
Eine Zahl reicht nicht – du prüfst gegen mehrere Kriterien. Für die Planung zählen mehrere Parameter gleichzeitig: die Beleuchtungsstärke auf der relevanten Fläche, die Blendungsbegrenzung, die Farbwiedergabe, die Gleichmäßigkeit und die Frage, ob die Anlage diese Qualität auch nach Alterung und Verschmutzung noch erreicht.
Konkret kontrollierst du:
- Em – ist die mittlere Beleuchtungsstärke erreicht?
- Uo – Gleichmäßigkeit: Uo ≥ 0,6 auf der Arbeitsfläche, Uo ≥ 0,4 im Umgebungsbereich.
- UGR – liegt die Blendung unter der Grenze der Sehaufgabe?
Der UGR-Wert wird gesondert betrachtet, weil er kein reiner Leuchtenwert ist. Entscheidend ist die Blendwirkung im Raum, die sich aus Leuchtenposition, Abstrahlcharakteristik, Montagehöhe, Blickrichtungen sowie den Reflexionseigenschaften ergibt. Details im Beitrag UGR-Wert / Blendung.
Zum Schluss kommt die Dokumentation: Lichtberechnung (z. B. DIALux/RELUX), Leuchtenplan und Wartungsplan erstellen. Bei Fluchtwegen ergänzt du die Notbeleuchtung nach DIN EN 1838:2025.

Überschlag vs. Software
Beide Wege haben ihren Platz. Der Überschlag per Hand ist schnell, aber bewusst grob. Eine Übereinstimmung zwischen berechneten und gemessenen Werten gilt schon bei Abweichungen um ±10 % als gut, die Ungenauigkeit der Wirkungsgradmethode kann höher liegen.
Software wie DIALux oder Relux rechnet dagegen die echte Verteilung im Raum. Sie liefert genauere Ergebnisse, besonders bei detaillierten Angaben über die Beleuchtungsstärkeverteilung auf Nutzebene und Raumflächen. Der praktische Ablauf ist simpel: Raum anlegen, Leuchte auswählen, rechnen lassen – die Norm-Bewertung läuft mit.
Faustregel: Überschlag für die erste Stückzahl und ein Gefühl, Software für Nachweis und Abnahme.
Wie rechnest du? Per Tabellenbuch im Kopf oder direkt im Tool – schreib's in die Kommentare.
