Der Tageslichtquotient ist die zentrale Kennzahl, wenn du beurteilen willst, wie gut ein Raum mit Tageslicht versorgt ist. Er beschreibt das Verhältnis zwischen der Beleuchtungsstärke an einem Punkt im Raum und der gleichzeitig im Freien herrschenden Beleuchtungsstärke bei bedecktem Himmel. Wer Tageslichtnutzung ernst nimmt, plant nicht nur schöne Fenster, sondern rechnet diesen Wert sauber durch.

Tageslicht ist mehr als eine Energiefrage: Es steuert deinen Biorhythmus, hebt die Stimmung und reduziert den Bedarf an Kunstlicht. Die Nutzung natürlichen Lichts ist von großer Bedeutung für die psychische und physische Gesundheit des Menschen und birgt dabei enorme energetische Vorteile.


Was der Tageslichtquotient aussagt

Der Tageslichtquotient – kurz D, im Englischen Daylight Factor (DF) – wird in Prozent angegeben. Der Tageslichtquotient D gibt das Verhältnis der Beleuchtungsstärke an einem Punkt im Innenraum zur Beleuchtungsstärke im Außenraum bei freiem Horizont an.

Die Messung bzw. Berechnung erfolgt unter Annahme eines gleichmäßig bedeckten Himmels (CIE-Standard-Overcast-Sky). Das macht den Wert vergleichbar, weil er unabhängig von Sonnenstand und Tageszeit ist. Der Tageslichtquotient lässt sich im Tageslichtsimulator messen.

Faustregel: Je höher D, desto besser die Tageslichtversorgung – aber auch desto höher das Risiko von Überhitzung und Blendung.

Richtwerte zur Orientierung

Für Büro- und Arbeitsräume gilt ein Mindestwert als Daumenregel. Ein Tageslichtquotient von mindestens 2 % ist sinnvoll; wo repräsentative Büroräume einen Wert unter 2 % ermitteln, sollte der Entwurf überarbeitet werden.

Tageslichtquotient DEinordnung
unter 1 %unzureichend, dauerhaft Kunstlicht nötig
1–2 %gering bis grenzwertig
2–4 %gute Arbeitsplatzversorgung
über 5 %sehr hell, Verschattung einplanen

DIN EN 17037 – Tageslicht in Gebäuden

Seit 2019 gibt es mit der DIN EN 17037 erstmals eine europaweite Tageslichtnorm. Sie schreibt neben Empfehlungen zu Aussicht, Besonnung und der Vermeidung von Blendung Richtwerte zur Tageslichtversorgung fest, die auf den tatsächlichen Tageslichtbedingungen im Innenraum basieren, statt das Verhältnis der Fenstergröße zur Raumgröße zu betrachten.

Die einzelnen Aspekte können mithilfe der Norm in die Bewertungskategorien „gering", „mittel" und „hoch" eingeordnet werden. Der Nachweis läuft entweder über eine Ganzjahressimulation oder über das vereinfachte Verfahren mit dem Tageslichtquotienten.

Konkret zielt die Norm auf zwei Beleuchtungsstärke-Schwellen ab. Laut Richtwerten sollen auf 50 % der Bezugsfläche im Raum 300 Lux und auf 95 % der Fläche mindestens 100 Lux erreicht werden.

Beim vereinfachten Nachweis übersetzt die Norm diese Lux-Ziele in Ziel-Tageslichtquotienten. Es gelten Zieltageslichtquotienten von 2,2 % für 300 lx (D300), 3,6 % für 500 lx (D500) und 5,4 % für 750 lx (D750).


Einflussgrößen auf die Tageslichtnutzung

Der Tageslichtquotient hängt nicht nur an der Fensterfläche. Diese Faktoren bestimmen, wie viel Tageslicht tatsächlich im Raum ankommt:

  • Fensterfläche & -position – höher sitzende Fenster bringen Licht tiefer in den Raum
  • Orientierung – Nord-, Süd-, Ost- oder Westlage beeinflusst Eintrag und Verschattungsbedarf
  • Außenverschattung – Nachbargebäude, Bäume, Vordächer und Sonnenschutz mindern D
  • Raumtiefe – ab etwa der doppelten Fensterhöhe fällt das Tageslicht stark ab
  • Reflexionsgrade – helle Decken und Wände verteilen das Licht in die Raumtiefe

Gerade die Reflexionsgrade werden oft unterschätzt. Ein Tageslichtquotient von mindestens 2 % lässt sich nicht durch die maximale Ausprägung nur eines Parameters – etwa raumhohe Fenster oder raumbreite Verglasung – allein erreichen. Es ist immer das Zusammenspiel, das zählt.

Die genaue Definition von Lux als Beleuchtungsstärke findest du im Beitrag zu Lux, Lumen & Candela.


Tageslicht plus Kunstlicht clever kombinieren

Tageslicht schwankt – im Tages- und Jahresverlauf. Deshalb gehört zu jeder guten Tageslichtnutzung ein abgestimmtes Kunstlichtkonzept, das nur dann zuschaltet, wenn das Tageslicht nicht reicht.

Das spart Energie und hält die Beleuchtungsstärke konstant. Die technische Umsetzung – also tageslichtabhängige Regelung über Sensoren und Bussysteme – behandeln wir gesondert im Beitrag zu DALI & KNX.

  1. Tageslichtquotient für den Raum berechnen
  2. Kritische Bereiche (Raumtiefe) identifizieren
  3. Kunstlicht-Zonen parallel zur Fensterfront definieren
  4. Tageslichtsensoren in diese Zonen legen

Wie hoch fällt der Tageslichtquotient in deinen Projekträumen aus – und überarbeitest du den Entwurf konsequent, sobald er unter 2 % rutscht? Schreib deine Erfahrungen in die Kommentare.