Tunable White bezeichnet Leuchten, deren Lichtfarbe sich stufenlos von warmweiß bis tageslichtweiß verstellen lässt – meist im Bereich von 2700 bis 6500 Kelvin. Damit wird Licht steuerbar wie ein Schieberegler: morgens kühl und aktivierend, abends warm und ruhig. Genau diese Flexibilität ist die technische Basis für Human Centric Lighting (HCL), also Beleuchtung, die sich am Menschen und seinem Tagesrhythmus orientiert.
Was Tunable White bedeutet
Eine Tunable-White-Leuchte mischt auf der Platine mehrere LED-Kanäle mit unterschiedlicher Lichtfarbe – typischerweise einen warmweißen und einen kaltweißen Strang. Über das Mischungsverhältnis entsteht jede Zwischenstufe innerhalb des Regelbereichs.
Üblich ist eine Spanne von 2700 K (warmweiß) bis 6500 K (tageslichtweiß). Manche Systeme erweitern den Bereich mit zusätzlichen roten oder blauen LEDs, um noch tiefere oder höhere Farbtemperaturen zu erreichen.
Wichtig: Tunable White verändert nur die Lichtfarbe, nicht zwingend die Helligkeit. Gute Systeme koppeln beides, sodass sich Farbtemperatur und Dimmstufe gemeinsam dem Tagesverlauf anpassen lassen.
Tunable White vs. RGB
Beide Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber Unterschiedliches:
| Merkmal | Tunable White | RGB |
|---|---|---|
| Ziel | Weißtöne von warm bis kalt | Farbiges Licht (rot, grün, blau …) |
| LED-Kanäle | warmweiß + kaltweiß | rot + grün + blau |
| Einsatz | Arbeitslicht, HCL | Akzent, Stimmung, Show |
| Farbwiedergabe | hoch (weißes Spektrum) | für Sehaufgaben ungeeignet |
Wenn du wissen willst, was warmweiß, neutralweiß und tageslichtweiß im Detail bedeuten, schau in den Grundlagen-Beitrag zur Lichtfarbe in Kelvin – dort geht es um die Frage, welche Lichtfarbe in welchen Raum gehört. Dieser Beitrag setzt das voraus.
Human Centric Lighting und der circadiane Rhythmus

Licht steuert nicht nur, was wir sehen, sondern auch wie unser Körper tickt. Neben den Stäbchen und Zapfen besitzt die Netzhaut spezielle Fotorezeptoren – die ipRGCs (intrinsisch fotosensitive retinale Ganglienzellen). Sie enthalten das Pigment Melanopsin und takten unsere innere Uhr.
Diese Zellen reagieren am stärksten auf Licht im blauen Spektralbereich um etwa 480 nm. Genau das ist die melanopische Wirkung: Helles, blaureiches (kühles) Licht am Tag fördert Wachheit, während dessen Fehlen am Abend dem Körper signalisiert, herunterzufahren.
Human Centric Lighting (HCL) versucht in seiner Grundform, die Farbtemperatur des Lichts so zu steuern, dass sie den Verlauf des natürlichen Tageslichts nachbildet.
Statt mit der reinen Beleuchtungsstärke (Lux) wird der biologische Effekt mit melanopischen Kennzahlen bewertet – etwa M-EDI (Melanopic Equivalent Daylight Illuminance) oder dem EML aus dem WELL Building Standard. Beide gewichten das Licht nach der Empfindlichkeit der ipRGCs, nicht nach der des Sehens.
Wie viel biologisch wirksames Licht ist nötig?
Aktuelle Empfehlungen nennen für den Tag eine Größenordnung von rund 250 lx melanopischem EDI auf Augenhöhe, gemessen vertikal am Kopf. Erst oberhalb dieser Schwelle stellt sich die biologische Wirkung zuverlässig ein.
Entscheidend ist dabei nicht die waagerechte Beleuchtungsstärke auf dem Schreibtisch, sondern das Licht, das tatsächlich ins Auge fällt – also senkrecht stehende Flächen, Wände und Decke. In Deutschland geben die DIN SPEC 5031-100 (Bewertung der melanopischen Wirkung) und die DIN SPEC 67600 (Planungsempfehlung für biologisch wirksame Beleuchtung) den fachlichen Rahmen vor.
Tagesverlauf-Steuerung mit Tunable White
Der Kern von HCL ist ein dynamischer Tagesverlauf, der Helligkeit und Farbtemperatur mitführt. Ein typisches Profil sieht so aus:
- Morgens – kühles, blaureiches Licht (Richtung 5000–6500 K) und hohe Intensität, um den Start zu aktivieren.
- Mittag – heller Peak nahe Tageslichtweiß für maximale Leistungsfähigkeit.
- Nachmittag – langsames Absenken von Farbtemperatur und Intensität.
- Abend – warmes Licht (Richtung 2700–3000 K), gedimmt, damit der Körper zur Ruhe kommt.
Dieser Rhythmus läuft entweder automatisch nach Zeitplan oder reagiert über Sensoren auf das vorhandene Tageslicht. Wichtig ist die gleichmäßige Qualität über den gesamten Regelbereich – Lichtstrom und Farbwiedergabe sollten in jeder Stufe stabil bleiben.
Ein Gütekriterium für eine Tunable-White-Leuchte ist die Gleichmäßigkeit von Leistung, Lichtstrom und Farbwiedergabe über alle Einstellungen hinweg.
Einsatzbereiche für HCL Beleuchtung

Tunable White und HCL Beleuchtung lohnen sich überall dort, wo Menschen lange unter Kunstlicht arbeiten oder wo der Tagesrhythmus aus dem Takt gerät:
- Büro – kühles Licht in Konzentrationsphasen, warmes Licht in Besprechungen und am späten Nachmittag.
- Schule – aktivierendes Licht für Konzentrations- und Prüfungsphasen, ruhigeres Licht für Lese- und Erholungssituationen.
- Pflege & Klinik – Stabilisierung des Tag-Nacht-Rhythmus bei Bewohnern und Personal, besonders im Schichtbetrieb und bei Demenz.
- Industrie & Schicht – wachmachendes Licht in der Nachtschicht, um Aufmerksamkeit und Sicherheit zu erhöhen.
Die konkreten Normwerte für die Beleuchtungsstärke je Raumtyp gehören nicht hierher – die findest du in den Beiträgen zur Lichtplanung nach DIN EN 12464-1 und zur Beleuchtungsstärke je Raumtyp.
Technische Voraussetzungen für Tunable White
Damit Tunable White funktioniert, braucht es drei Dinge:
- Eine Leuchte mit mindestens zwei separat regelbaren LED-Kanälen (warm/kalt).
- Ein passendes Betriebsgerät / Vorschaltgerät, das beide Kanäle unabhängig dimmen kann.
- Eine Steuerung, die Farbtemperatur und Helligkeit nach Tagesprofil oder Sensorwert vorgibt.
Auf der Steuerungsebene haben sich Bussysteme wie DALI (insbesondere DALI DT8 für Farbsteuerung) und KNX etabliert; einfache Anlagen lassen sich auch über Funk oder App regeln. Plane Steuerleitungen und Geräteanzahl von Anfang an mit ein – ein nachträgliches Umrüsten auf Tunable White ist deutlich aufwendiger.
Achte zusätzlich auf eine hohe Farbwiedergabe und flickerfreies Dimmen über den ganzen Bereich, damit das Licht in jeder Stufe angenehm bleibt.
LightDraft hilft dir, solche Lichtkonzepte direkt in der Planung umzusetzen – von der Lichtfarbe über die Berechnung bis zur Dokumentation. Wenn du die Grundlagen zu warmweiß, neutralweiß und tageslichtweiß auffrischen willst, lies zuerst den Beitrag zur Lichtfarbe in Kelvin.
Wie steuerst du dein Licht über den Tag – fester Zeitplan oder Sensorik? Schreib's gern in die Kommentare.
