Der UGR-Wert ist die Kennzahl, mit der du die psychologische Blendung einer Beleuchtungsanlage im Innenraum bewertest. Hinter dem Kürzel steckt das Unified Glare Rating – ein vereinheitlichtes Verfahren der internationalen Beleuchtungskommission CIE. Je niedriger der Wert, desto entspannter sitzt du unter der Leuchte, ohne geblendet zu werden.

Was der UGR-Wert misst

UGR steht für Unified Glare Rating, also vereinheitlichte Blendungsbewertung. Es ist eine dimensionslose Kennzahl, die beschreibt, wie stark dich die Leuchten eines Raums psychologisch blenden – ohne dass dein Sehvermögen dabei zwingend beeinträchtigt wird.

Die Skala läuft von 10 (praktisch keine Blendung) bis 30 (nicht mehr akzeptabel). Die Stufen springen in Dreierschritten – 13, 16, 19, 22, 25, 28 –, weil erst ein Unterschied von drei Punkten als spürbare Veränderung der Blendung wahrgenommen wird.

Ein anschauliches Beispiel: Bei UGR 19 fühlen sich rund 65 % der Beobachter gerade noch nicht gestört – die übrigen 35 % empfinden die Blendung als störend. Der Wert ist also ein statistischer Mittelwert aus Probandenbefragungen, kein physikalisches Naturgesetz.

So funktioniert das Verfahren nach CIE 117

Das Modell geht auf den Technical Report CIE 117 von 1995 zurück. Statt eine einzelne Leuchte zu bewerten, summiert das Verfahren den Blendbeitrag aller Leuchten der Anlage für eine fest definierte Beobachterposition und Blickrichtung auf.

In die Berechnung fließen vier Größen ein:

  • L – mittlere Leuchtdichte der Lichtaustrittsfläche jeder Leuchte in Blickrichtung (in cd/m²)
  • ω – der Raumwinkel der Lichtaustrittsfläche, bezogen auf dein Auge
  • p – der Positionsindex nach Guth, der die Lage der Leuchte zur Blickrichtung bewertet
  • L_B – die Hintergrundleuchtdichte, also wie hell Wände und Decke deinen Blick „abpuffern"

In der Praxis wird für den Normvergleich die UGR-Tabellenmethode genutzt. Dabei werden Standardräume mit festen Reflexionsgraden und der Leuchtenhöhe H = 2 m angesetzt, und du wählst aus der Hersteller-Tabelle den Raum, der deinem Projekt am nächsten kommt.

Welche Einflussgrößen den UGR-Wert treiben

Welche Einflussgrößen den UGR-Wert treiben

Der UGR-Wert ist kein fixer Etikettenwert, sondern hängt direkt von deiner Planung ab. Diese Faktoren entscheiden:

EinflussgrößeWirkung auf die Blendung
Leuchtdichte der LeuchteHohe cd/m² = stärkere Blendung
Position im Blickfeld (Guth)Leuchte nah an der Sehachse blendet mehr
HintergrundleuchtdichteHelle Wände/Decke senken den UGR
RaumgeometrieGrößerer Raum = oft höherer UGR
BlickrichtungLeuchte hinter dem Monitor blendet stärker als seitlich

Die Blickrichtung ist dabei besonders unterschätzt. Der UGR wird typischerweise für vier Richtungen (vorn, rechts, hinten, links) berechnet, und jede liefert ein anderes Ergebnis. Eine Leuchte, die seitlich kaum stört, kann frontal im Sehfeld die Grenze sprengen.

Wichtig: Helle Wände und Decken sind dein Verbündeter. Eine hohe Hintergrundleuchtdichte verkleinert den Kontrast zwischen Leuchte und Umfeld – und damit sinkt die wahrgenommene Blendung Beleuchtung spürbar.

Typische UGR-Grenzwerte je Anwendung

Die zulässigen Maximalwerte stehen in der DIN EN 12464-1 (die Norm selbst erklären wir dir im eigenen Beitrag zur Lichtplanung nach DIN EN 12464-1). Hier die gängigen Stufen:

UGR-GrenzwertTypische Anwendung
≤ 16Technisches Zeichnen, Kontrollräume, anspruchsvolle Sehaufgaben
≤ 19Büro- und Bildschirmarbeitsplätze, Lese- und Schreibtätigkeit
≤ 22Besprechungsräume, Empfang, Industriearbeit
≤ 25Lager, grobe Tätigkeiten
≤ 28Verkehrszonen, Flure, Treppen

Der mit Abstand häufigste Wert ist UGR 19: Für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze darf der UGR-Wert 19 nicht überschreiten – und das unabhängig vom Beleuchtungsniveau. Das ist die Blendungsbegrenzung Büro, an der jede normgerechte Planung gemessen wird.

Psychologische vs. physiologische Blendung

Psychologische vs. physiologische Blendung

Der Begriff Blendung umfasst zwei verschiedene Phänomene, die du nicht verwechseln solltest:

  1. Psychologische Blendung (Discomfort Glare): verursacht Unbehagen, Ermüdung und Konzentrationsverlust, ohne dass du objektiv schlechter siehst. Genau diese erfasst der UGR-Wert.
  2. Physiologische Blendung (Disability Glare): beeinträchtigt das Sehvermögen direkt, etwa durch Streulicht im Auge. Sie wird vom UGR-Verfahren nicht abgedeckt.

Der UGR adressiert also gezielt die schleichende, ermüdende Variante – die, die nach acht Stunden am Schreibtisch für Kopfschmerzen sorgt.

Praxistipps zur Blendungsvermeidung

So drückst du den UGR-Wert in deiner Planung nach unten:

  • Leuchten mit ausreichendem Abschirmwinkel wählen – die Norm verlangt am Arbeitsplatz ohnehin eine begrenzte Leuchtdichte unter flachen Ausstrahlwinkeln
  • Leuchten nicht direkt hinter den Monitor in die Hauptblickrichtung setzen
  • Helle Wand- und Deckenreflexionsgrade einplanen für mehr Hintergrundleuchtdichte
  • Indirektanteile nutzen, die die Decke aufhellen und den Kontrast mildern
  • UGR für alle vier Blickrichtungen prüfen, nicht nur für die günstigste
  • Im Datenblatt nicht auf den einzelnen UGR-Wert verlassen, sondern die Tabelle zum eigenen Raum nutzen

Dimmen hilft übrigens nur bedingt: Weniger Helligkeit senkt zwar die Leuchtdichte, aber auch die Hintergrundleuchtdichte sinkt mit – das Verhältnis bleibt oft ähnlich. Zu dunkel zu planen tauscht ein Problem nur gegen ein anderes ein.


Wie streng achtet ihr bei euren Projekten auf den UGR – verlasst ihr euch auf die Datenblatt-Angabe oder rechnet ihr jeden Raum selbst durch? Schreibt eure Erfahrungen in die Kommentare.