Der Wartungsfaktor in der Lichtplanung entscheidet darüber, ob ein Raum auch nach Jahren noch hell genug ist – nicht nur am Tag der Inbetriebnahme. Jede Beleuchtungsanlage verliert über die Zeit Licht: LEDs altern, Leuchten verschmutzen, Wände werden schmutzig. Genau das fängt der Maintenance Factor (MF) nach CIE 97 ab.

Was der Wartungsfaktor in der Lichtplanung leistet

Der Wartungsfaktor ist ein Korrekturwert zwischen 0 und 1, mit dem du die Lichtberechnung multiplizierst. Ein MF von 0,8 bedeutet, dass das System zu einem bestimmten Zeitpunkt noch 80 % seiner ursprünglichen Lichtleistung haben soll.

Der Trick: Du planst nicht mit dem Neuwert, sondern mit dem Wartungswert – also dem Tiefpunkt kurz vor der nächsten Reinigung oder dem Lampentausch. Die Anlage muss bei Installation so dimensioniert sein, dass sie auch am Wartungspunkt noch die Norm-Anforderungen erfüllt.

Konkret rechnest du rückwärts: Bei einem geforderten Wartungswert von 500 Lux und einem MF von 0,8 brauchst du eine Anfangsbeleuchtungsstärke von 625 Lux. Wenn der Wartungsfaktor 0,8 beträgt und die geforderte Lichtleistung am Ende der Nutzungsdauer 500 Lux ist, sollte die Anfangsbeleuchtungsstärke 500/0,8 = 625 Lux betragen.

Der Wartungswert E̅m selbst ist eine Anforderung der DIN EN 12464-1 – der Wartungsfaktor ist das Werkzeug, mit dem du diesen Wert über die Lebensdauer absicherst.


Die vier Teilfaktoren: LLMF, LSF, LMF, RSMF

Der Gesamt-Wartungsfaktor ist ein Produkt aus vier Einzelfaktoren:

MF = LLMF × LSF × LMF × RSMF

LLMF = Lampenlichtstromerhaltungsfaktor (Lumenverlust der Lampe über die Zeit), LMF = Leuchtenwartungsfaktor (Verschmutzung der Leuchte), LSF = Lampenüberlebensfaktor (Lampenausfälle), RSMF = Raumoberflächen-Wartungsfaktor (nachlassende Reflektivität der Raumflächen).

LLMF – Lampenlichtstromrückgang

Der LLMF beschreibt, wie viel Licht eine LED über ihre Nutzlebensdauer noch abgibt. Bei einer Lebensdauerangabe von L70 ist die Zeit gemeint, in der die Leistung auf 70 % des ursprünglichen Lichtstroms absinkt. Bei L80-Leuchten liegt der Lichtstrom-Wartungsfaktor bei 0,8, bei L90-Leuchten bei 0,9.

LSF – Lampenausfall

Der LSF ist der Anteil der Lampen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt noch betriebsbereit sind; bei LED-Leuchten wird er meist durch den Totalausfall der Leuchte bestimmt. Werden defekte Module sofort ersetzt, kannst du LSF = 1,0 ansetzen.

LMF – Verschmutzung der Leuchten

Der LMF erfasst Staub und Schmutz auf der Leuchte selbst. Der LMF kann je nach Leuchtendesign und Umgebung von 0,6 bis 0,95 variieren. Geschlossene LED-Optiken schneiden hier besser ab als offene Leuchten.

RSMF – Verschmutzung der Raumflächen

Der RSMF berücksichtigt den Lichtstromrückgang durch verschmutzte Raumflächen – er beschreibt das Verhältnis der Reflexionsgrade vor und nach der Reinigung und hängt vom Verschmutzungsgrad und dem festgelegten Reinigungsintervall ab. Auch Raumgröße und die Art der Lichtabgabe (direkt oder indirekt) spielen eine Rolle.


Verschmutzungsgrad und Reinigungsintervall

Zwei Stellschrauben dominieren: wie schmutzig die Umgebung ist und wie oft gereinigt wird. CIE 97 staffelt Räume in vier Verschmutzungsklassen.

KlasseUmgebungtypischer Pauschal-MF
sehr sauberReinraum, Büro0,80
saubernormale Büros0,67
normalWerkstatt0,57
verschmutztIndustrie, Staub0,50

Für sehr saubere Räume gilt ein Wartungsfaktor von 0,8, für saubere Räume 0,67, für normale Räume 0,57 und für verschmutzte Räume 0,5.

Je kürzer das Reinigungsintervall, desto höher der MF – aber auch desto höher die laufenden Kosten. Kürzere Intervalle bedeuten höheren MF und geringere Installationskosten, aber höhere laufende Wartungskosten – die DIN EN 12464-1 empfiehlt 2-3 Jahre als optimalen Kompromiss.


Typische Werte und der LED-Faktor

Typische Werte und der LED-Faktor

Pauschal greifen viele Planer zur 0,8. Der Wert 0,8 ist eine gängige Faustregel, aber es gibt keinen Grund, ihn auf jedem Projekt anzusetzen – jedes Projekt ist anders, der Wartungsfaktor sollte nach den Umständen und der eingesetzten Technik abgeleitet werden.

Bei moderner LED-Technik liegt das echte Potenzial oft höher. Wer 0,8 für LED-Projekte mit tatsächlich 0,88+ Leistung verwendet, riskiert Überbeleuchtung, verschwendet Energie und erhöht die Betriebskosten. Ein realistisches Beispiel: L80-Leuchten erreichen bei sauberer Büroumgebung, jährlicher Reinigung, alle drei Jahre frisch gestrichenen Wänden und schnellem Austausch defekter Leuchten bestenfalls einen Anlagen-Wartungsfaktor von 0,7 über 50.000 Stunden.

Die gute Nachricht: Du kannst den Wartungsfaktor in der Lichtplanung aktiv beeinflussen. Der Planer kann die Größe des Wartungsfaktors durch die Wahl der Leuchte schon bei der Lichtplanung positiv beeinflussen – LED-Technik verbessert sowohl den Lampen-Lichtstrom-Wartungsfaktor als auch den Leuchtenwartungsfaktor deutlich.


Zusammenhang mit dem Wartungsplan

Der MF ist kein abstrakter Tabellenwert – er steht und fällt mit einem realen Wartungs- und Reinigungsplan. An dieser Stelle muss die optimale Reinigungshäufigkeit für den Wartungsplan festgelegt werden. Was du im MF annimmst, musst du im Betrieb auch einhalten.

Eine praxistaugliche Routine:

  • Reinigungsintervall der Leuchten festlegen (z. B. jährlich)
  • Intervall für Wände/Decken definieren (Neuanstrich)
  • Strategie für Lampen-/Modultausch klären (sofort oder Gruppentausch)
  • Lichtmessungen und Ausfälle protokollieren
  • MF-Annahmen mit der realen Wartungspraxis abgleichen

Den vollständigen Rechenweg findest du im Beitrag zur Lichtberechnung Schritt für Schritt, den geforderten Wartungswert E̅m liefert die Lichtplanung nach DIN EN 12464-1.

Wie haltet ihr es: pauschale 0,8 oder sauber gerechneter MF je Projekt? Schreibt eure Erfahrungen in die Kommentare.