Außenbeleuchtung planen heißt: nicht einfach Flutlicht an die Wand schrauben, sondern jede Fläche gezielt nach Sehaufgabe versorgen. Wenn du Außenbeleuchtung planen willst, geht es um Wege, Parkplätze, Fassaden, Eingänge und Außenarbeitsplätze – jeder dieser Bereiche hat eigene Anforderungen an Helligkeit, Gleichmäßigkeit und Blendung. Und gleichzeitig willst du Lichtverschmutzung vermeiden und Insekten schützen.

Welche Norm gilt im Außenraum?

Für Außenarbeitsplätze ist nicht der Innenraum-Teil zuständig, sondern die DIN EN 12464 setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Teil 1 „Arbeitsstätten in Innenräumen" und Teil 2 „Arbeitsplätze im Freien". Den Innenraum-Teil 1 behandeln wir separat in DIN EN 12464-1 – hier geht es ausschließlich um Teil 2.

Wichtig zur Einordnung: Mittlerweile gilt für beide Teile die dritte Ausgabe. Diese wurde für Teil 1 im November 2021 und für Teil 2 im Juli 2025 veröffentlicht. Wenn du also nach aktuellen Tabellenwerten arbeitest, achte auf die Fassung 2025-07.

Die Norm regelt typische Außenarbeitsbereiche. Sie ist besonders relevant für Betriebshöfe, Umschlagflächen, Verkehrswege, Ladezonen, technische Außenanlagen, Parkbereiche und gewerbliche Außenflächen mit regelmäßiger Nutzung.


Anwendungsfelder im Überblick

Bevor du Werte festlegst, ordne deine Flächen nach Nutzung. Jede hat ein anderes Helligkeitsniveau:

  • Wege & Gehflächen – Orientierung steht im Vordergrund, hier reichen meist niedrige Lux-Werte
  • Parkplätze & Stellflächen – gleichmäßige Ausleuchtung gegen Stolperfallen und für Übersicht
  • Fassaden – akzentuierend, kein flächiges Anstrahlen
  • Eingänge – höhere Helligkeit als der Weg, Gesichtserkennung und Sicherheit
  • Außenarbeitsplätze – nach Sehaufgabe gestaffelt, hier zählt die genaue Tätigkeit

Die DIN EN 12464-2 staffelt die Anforderungen genau danach: Die Güte der Sehleistung und des Sehkomforts wird für sehr viele Arbeitsplätze im Freien durch die Art und Dauer der Tätigkeit bestimmt. Für die meisten Arbeitsplätze im Freien und deren zugehörige Flächen legt die Norm in Bezug auf Quantität und Qualität der Beleuchtung die Anforderungen an die Beleuchtungssysteme fest.

Anforderungen: Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit, Blendung

Drei Größen entscheiden über die Qualität: wie hell, wie gleichmäßig, wie blendfrei.

GütemerkmalWorum es geht
BeleuchtungsstärkeLux-Niveau passend zur Sehaufgabe
Gleichmäßigkeitkeine harten Hell-Dunkel-Sprünge
BlendungsbegrenzungSehkomfort, keine Direktblendung

Die Norm deckt all das ab: Sie beschreibt Anforderungen an Beleuchtungslösungen für Außenarbeitsbereiche und berücksichtigt dabei Sehaufgaben, Beleuchtungsstärke, Blendungsbegrenzung, Gleichmäßigkeit und die lichttechnische Bewertung von Arbeitsbereichen im Außenraum.

Zur Orientierung bei den Lux-Werten: Die Norm legt die minimalen Beleuchtungsstärken für verschiedene Außenbereiche fest, wie z. B. 50 Lux für allgemeine Arbeitsflächen oder 100 Lux für Arbeitsflächen, die eine höhere Detailwahrnehmung erfordern, wie bei Reparaturarbeiten oder Qualitätskontrollen im Freien. Die exakten Tabellenwerte ziehst du immer aus der aktuellen Norm-Fassung.

Beim Thema Blendung geht es im Außenraum vor allem darum, Streulicht zu vermeiden. Es ist wichtig, die Lichtverteilung und die Blendung zu optimieren, um eine effektive und komfortable Beleuchtung zu gewährleisten. Die allgemeine Blendungsbewertung (UGR) behandeln wir in UGR & Blendung – im Freien arbeitest du zusätzlich mit gezielter Lichtlenkung und Abschirmung.

Wetterschutz und Wartungsfaktor

Außen ist die Verschmutzung höher als drinnen. Auch der Wetterschutz der Beleuchtungseinrichtungen spielt eine Rolle, um eine langfristige Funktionalität sicherzustellen. Plane deshalb mit einem konservativen Wartungsfaktor – wie der entsteht, steht im Beitrag Wartungsfaktor.


Lichtverschmutzung vermeiden und Insekten schützen

Helligkeit ist nicht das Ziel – die richtige Menge am richtigen Ort ist es. Zwei Stellschrauben sind entscheidend: Lichtfarbe und Abschirmung.

Bei der Lichtfarbe gilt warmweiß als insektenschonend. Mit der Wahl einer Farbtemperatur von kleiner als 2.000 Kelvin (bernsteinfarben – „amber") bis maximal 3.000 Kelvin (warmweiß) kann die Attraktionswirkung für Insekten deutlich reduziert werden. Der Grund: Licht mit viel Blauanteil hat eine besonders hohe Anziehungskraft auf Insekten. Warmweiße LEDs, die kein UV-Licht abstrahlen, sind besonders insektenfreundlich. Die Grundlagen zur Farbtemperatur findest du unter Lichtfarbe & Kelvin.

Die zweite Stellschraube ist die Lichtlenkung. Licht sollte mithilfe von voll abgeschirmten Leuchten nur dorthin gelenkt werden, wo es benötigt wird, auf die Verkehrs- oder tatsächlich zu beleuchtende Fläche. Insbesondere sollten keine Naturelemente (Bäume, Felsen, Gewässer) angestrahlt werden. Zudem darf kein Licht unnütz nach oben und horizontal abstrahlen.

Konkrete Maßnahmen, mit denen du Lichtverschmutzung vermeiden kannst:

  • Warmweiß ≤ 3000 K wählen, in sensiblen Lagen Richtung Amber gehen
  • Voll abgeschirmte Leuchten ohne Abstrahlung nach oben einsetzen
  • Licht nur auf die Nutzfläche lenken, keine Bäume oder Gewässer anstrahlen
  • Bewegungsmelder und Zeitsteuerung statt Dauerbetrieb
  • Beleuchtungsmenge so gering wie möglich halten

Gerade die letzten beiden Punkte sparen doppelt – Energie und Tierwelt. Die Lichtmenge sollte möglichst gering gewählt werden, oft ist eine gleichmäßige Beleuchtungsstärke von wenigen Lux ausreichend. Licht sollte nur bedarfsorientiert eingeschaltet werden, etwa durch Einsatz von Zeitschaltuhren, Schaltern oder Bewegungsmeldern.

Auch für die Fassadenbeleuchtung gilt: weniger ist mehr. Achten Sie darauf, dass Ihre Außenbeleuchtung nicht nach oben abstrahlt und am besten auch nicht die ganze Hausfassade beleuchtet. Besser: gezielte Lichtspots setzen und Leuchten in einem flachen Winkel oder horizontal installieren.

Sicherheit: Orientierung und Überwachung

Beleuchtung im Außenraum erfüllt fast nebenbei einen Sicherheitszweck. Obwohl die Norm keine Arbeitsschutz-Anforderungen festlegt, erfüllen die lichttechnischen Anforderungen üblicherweise auch die Anforderungen im Hinblick auf Sicherheit.

Bei der Wegebeleuchtung und auf der Parkplatzbeleuchtung zählt vor allem die Orientierung. Die DIN EN 12464-2 trägt wesentlich zur Sicherheit von Arbeitsplätzen im Freien bei, indem sie sicherstellt, dass die Beleuchtung den Anforderungen für hohe Sichtbarkeit und gute Erkennbarkeit entspricht.

Sicherheit und Naturschutz sind dabei kein Widerspruch – es geht um die clevere Lösung. Einerseits soll Außenbeleuchtung nachts für Sicherheit sorgen. Anderseits hat sie negative Folgen für Tiere: Insekten etwa werden angelockt, dem natürlichen Lebensraum entzogen und verenden an den Leuchtkörpern. Abgeschirmte, warmweiße Leuchten mit Bedarfssteuerung lösen beides gleichzeitig.


Wie löst du den Spagat zwischen heller Parkplatzbeleuchtung und Insektenschutz in deinen Projekten? Schreib's in die Kommentare.